4 Ever Gipsy, 2005

Materialien
Malereien und Zeichnungen auf Schranktüren, Keilrahmen, ungerahmten Leinwänden, Holz, Pfannen, Pappe, Papier, Fotos, Fotokopien, Stoff, Plastik, Plastiktaschen, Geschirr, Seile, etc.

Die einzelnen Bilder innerhalb der Installation sind vielfältig und vielschichtig und dieses sowohl in ihrem Inhalt, als auch in ihrer Form und ihrer Materialität. Die Bilder sind auf Papier, Kopien, Fotos, Holz, Leinwand, Stoff, Plastiktüten, Pappe gemalt. Ihre Farblichkeit ist sehr dominant: Knallige Farben weisen Kontraste auf, die die Grundstrukturen von Rastern und Rahmen aufzeigen. Diese durch die Farbe und Pinsel gerasterten Ebenen, beziehen sich auf Rahmen und Strukturen von Systemen, auf die Rahmen und die Strukturen der Gesellschaft.

In meiner Arbeit setze ich die Rahmen, Raster, Strukturen und Muster meiner Bilder mit dem Verhalten von Menschen innerhalb der Strukturen der Gesellschaft gleich. Die Bilder haben durch ihr Raster eine Tiefe, die ich mit der Einzigartigkeit und inneren Tiefe eines jeden einzelnen Menschen verbinde. Mit der plakativen und sehr simplen Art der Malweise und der Sujets versuche ich den Betrachter die Impulse der Gefühle, Träume und Momente eines Lebens näher zu bringen.

In der Installation sind rohe Seile im Raum aufgespannt. Es sind die Fäden des Lebens die man sich selbst spinnt. Gleichzeitig zeigen diese Fäden auch die Grenzen zwischen den verschiedenen Lebensweisen auf. An den Seilen sind die Bilder: bemalte Leinwände ohne Keilrahmen aufgehängt. Die Leinwände lassen Gänge entstehen, durch die der Betrachter schreitet, während er einen Einblick in die einzelnen Welten, Leben oder Betrachtungsweisen erhält.

“4 ever Gipsy” bezieht sich auf das Zigeunersein - das nicht ortsgebundene Leben ausserhalb der gesellschaftlichen Strukturen und Systeme. Ein Leben in ständiger Bewegung entlang unsichtbarer Grenzen, die nur in der romantischen Verklärung durchlässig werden. In den Arbeiten verarbeite ich biografische Momente, frühere Arbeiten, die während Lebensabschnitten in Amerika, Thailand, Tschechien, Spanien, in der Schweiz und Deutschland entstanden sind. Selbst in diesen Ländern, an diesen Orten, homeless, bin ich selbst Teil geworden des Lebens als “Gipsy”: Beweglich, simpel, nicht dazugehörig. Seiltänzerin zwischen unsichtbaren Grenzen, strukturierten Welten, verschiedenen Kulturen, und Religionen. Immer und überall verschieden, aber mir selbst treu und im Herzen zu Hause. “4 ever Gipsy” wird selbst zum Zigeuner.

Die einzelnen Arbeiten selbst sind unkoordiniert und farbenstark, einfach, roh und nicht zuzuordnen. Sie zeigen die Reibungen der Andersartigkeit in einer definierten Gesellschaft.

Die Dazugehörigkeit

Meer Fische Tiefe Tüten Topf kochen Essen Pinsel Malen Nagellack Fingernagel Schallplatte Plattenspieler Sekt Prickeln Lippen Leichtigkeit Lächeln Smalltalk Filme Musik Noten Instrumente DJs Bar Licht Nacht Sterne Mond Luft Atmen Zigaretten Heiterkeit Genuss Farben Menschen Radio Fernsehen Werbung Lotto Bingo Domino Casino Glitzer Häuser Wohnungen Waschmaschinen Wasser Seife Hochzeit Scheidung Liebe Trauer Geburt Tod Blumen Wiesen Felder Wälder Dörfer Städte Fahrräder Autos Busse Bahnen Schienen Rahmen Plätze Einsamkeit Zufriedenheit Geselligkeit Isolation Frieden Krieg Weiss Schwarz Sozial Asozial Reich Arm Kalt Warm Familie Kinder Mann Frau

Kleine Welten

Eine kleine Welt ist rund und in sich stimmig, mit dem Trott der Tage dem kleinen Cosmos an Status orientierten Ankopplungen der meist ähnlichen Klassenkategorien ob Religion, Schöner Wohnen, strukturierte Orientierungs gemeinsamkeiten aus Schule, Arbeit, Freizeit, Sport.

Andere kleine Welten

In Mikrokosmen eingezäumt und zum Rande der Strukturen und Weltordnungen von Gesellschaften hingedrängt, existieren auch andere kleine Welten. Sie sind nicht gesellschaftsfähig, weil sie nicht unseren Vorstellungen entsprechen und nicht zuzuordnen sind.

Gipsys, im verromantisiertem: hübsch, verwegen, wild, Baracken-Romantik, so werden sie gemocht, aber nur zum Anschauen bitte! Sie funktionieren anders, weil sie durch ihre Herkunft und ihrem Vertriebenen-Status, mit Herzensfreiheit und ankoppelnden Lebensformen, nun doch ziemlich sesshaft geworden sind. Aber ihre Herkunft, ihr Wesen verändert sich nicht, denn wahre Freigeister und Herzmeere kann man niemals ablegen und die Dazugehörigkeit zu den Seinen.

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